Fahrradrevier Südbaden

Angelegt Montag 14 Dezember 2020

Die Gegend um Freiburg gehört aufgrund ihrer Vielfalt zu den großartigsten Fahrradrevieren der Republik. Während man in anderen Gegenden eintönigst im Flachland rumfährt oder sich die ganze Zeit nur die Berge hochquält, bieten Schwarzwald und Rheinebene eine deutschlandweit fast einmalige Abwechslung.

Berge

Die Schlimmen

Die Hänge des Hochschwarzwaldes und v.a. die Aufstiege aus der Rheinebene sind hart - wer von Freiburg aus die Straße zum Schauinsland fährt, frisst in 17km satte 900 Höhenmeter. Der Kandel von Waldkirch aus bring auch 900 Höhenmeter auf 11km. Von Kirchzarten aus bringt der Feldberg in 15km 1150 Höhenmeter und der Belchen bringt aus dem Münstertal auch über 1000 Höhenmeter mit sich. Das sind Anstiege, die sich mit den legendären der Tour de France messen können - Alp d'Huez bringt z.B. 1181 Höhenmeter auf 11km.

Ich persönlich bin kein Fan der klassischen Rennrad-Anstiege: Das Problem ist, dass die geteerten Straßen leider eng sind und es an den Wochenenden bei gutem Wetter, wo man sie als arbeitender Mensch realistischerweise fahren kann, einen regen Ausflugsverkehr gibt. Es macht keinen Spaß ständig von einem stetigen Strom von Autos zu eng überholt zu werden oder die viel zu lauten Motorräder im Ohr zu haben. Die Berge erkundet man besser mit einem Gravelbike und nutzt die zahlreichen Waldwege, um ungestört in der Natur zu fahren. Die Anstiege sind genauso knackig oder gar noch schlimmer, aber es ist einfach im ruhigen Wald netter als auf der vielbefahrenen Straße. Für die schnellen Abfahrten kann man dann natürlich die asphaltierten Strecken nutzen, wenn man die Route richtig geplant hat.

Die Angenehmeren

Neben den großen Kloppern gibt es zum Glück auch angenehmere Anstiege - man hat ja nicht immer Lust auf die große Quälerei und ein kleiner Hügel reicht auch aus. Die Vorbergzone bietet zwar auch knackige Anstiege, diese sind aber nicht so quälend lang. Wer entlang der L125 erst auf den Batzenberg fährt und dann über Staufen - Sulzburg die Weinberge erkundet, frisst zwar auch Höhenmeter, aber halt nicht so krasse. Auch der Tuniberg bietet angenehme Anstiege und wer im Kaiserstuhl nicht auf den Totenkopf will, kann dort auch klettern, bleibt aber im dreistelligen Höhenmeterbereich.

Mountainbiken

Es ist nicht ganz mein Metier, aber natürlich bieten sich Berge zum Mountainbiken an. Es gibt neben hunderten Waldautobahnen auch zahlreiche Trails - mal legal, mal illegal, mal als zweckentfremdeter Wanderweg und mal als offiziell ausgeschilderte Piste. Mehr Informationen hat der Verein Mountainbike Freiburg, welcher sich große Verdienste bei der Legalisierung von Trails erworben hat.

Flachland

Man hat aber natürlich nicht immer Bock sich die schlimmsten Anstiege hochzuquälen. Wer einfach nur mal im Flachland Ballern will, der ist in der Rheinebene wunderbar aufgehoben. Dieser Grabenbruch zwischen Schwarzwald und Vogesen ist abseits der Vorbergzone erstaunlich flach - hier kann man praktisch ohne Höhenmeter Tempo und Kilometer machen.

Die Radwege im Freiburger Umland sind gut ausgebaut und praktisch jede Straße ist mit einem recht brauchbaren Radweg neben der Straße ausgestattet. Es gibt auch zahlreiche Wirtschaftswege mit wenig Autoverkehr, auf denen man relativ ungestört fahren kann.

Ebringen - Pfaffenweiler - Bad Krozingen - Heitersheim

Meine Rennrad-Heimrunde: Erst geht es durch das wunderbare Schneckental und dann auf einer relativ autofreien Strecke mit schickem Schwarzwaldblick in Richtung Römervilla Heitersheim.

Von da aus kann man sich dann entscheiden, ob man runter zum Rhein fährt, die Runde um den Flughafen Bremgarten dreht, weiter in die tollen Weinberge rund um St. Ilgen klettert oder in Richtung Ballrechten/Sulzburg abbiegt.

Elsass

Die Rheinebene drüben im Elsass hat einen anderen Charakter als die deutsche Seite - sie ist deutlich schwächer besiedelt und wird durch größere Felder geprägt. Daher fährt es sich da auch deutlich besser, da es weniger Autoverkehr gibt.

Harthwald

Der Harthwald im Elsass ist ein echter Geheimtipp. Von Basel aus zieht er sich bis kurz vor Fessenheim auf der französischen Seite am Rhein lang. Er glänzt mit schnurgeraden, asphaltierten und autofreien Routen, auf denen man von wenigen Kreuzungen abgesehen fast 40 Kilometer schnurgerade durch den Wald heizen kann. Es ist ein großartiger Spaß, den man mit einem Besuch in Basel oder einer Tour den Rhein hoch kombinieren kann.

Kanäle im Elsass

Frankreich ist eine große Kanalbaunation gewesen und entsprechend ist auch das Elsass von diversen Kanälen durchzogen. Der Rheinseitenkanal ist die aktuelle Lebensader der Schifffahrt und die anderen Kanäle erfüllen mittlerweile keine oder nur eine touristische Funktion. Der Rhein-Rhone-Kanal führt aus dem Burgund kommend hoch nach Strasbourg und der Colmar-Kanal führt - Überraschung! - von Breisach aus nach Colmar. Die Wege an den Kanälen sind echte Kleinode und es macht wirklich Spaß sie zu fahren - gerade die Tour hoch nach Strasbourg ist sehr lohnenswert und wer nach Colmar will, tut gut daran, die Strecke am Kanal zu fahren.

Graveln

Ich besitze ein Gravelbike, auch wenn die Gegend eigentlich nicht das ideale Terrain für ein Gravelbike ist - sie ist zu wohlhabend und daher gibt es nicht die kilometerlangen Schotterstraßen anderer Gegenden, auf denen man ungestört das Offroad-Rennrad ausfahren kann.

Waldautobahnen

Es gibt jede Menge größere Waldwege an den Schwarzwaldhängen, die "Waldautobahnen". Sie sind so breit, dass die Waldarbeiter da mit den Treckern und Maschinen durchkommen und damit natürlich auch eigentlich fahrradtauglich. Die Qualität schwankt allerdings je nach Weg deutlich.

Rhein/Rheinauen

Ansonsten gibt es entlang des Rheins rechtsrheinisch einen flussbegleitenden verdichteten Weg, der quasi von Basel aus bis hoch nach Strasbourg führt. Der ist allerdings eher weniger spannend, aber in den Rheinauen und Wäldern gibt es ebenfalls einiges an netten Wegen, die mehr Spaß machen.

Mooswald

Zudem lohnt sich ein Blick in den Mooswald - der erstreckt sich von Schallstadt hoch bis kurz vor Denzlingen und hier findet man freiburgnah jede Menge Schotterstrecken in verschiedener Qualität. Zudem besteht die Möglichkeit, nach der Tour im Opfinger See zu baden.

Weinberge

Die Weinberge der Vorbergzone bieten auch tolle Bedingungen zum Graveln, aber sollten mit Vorsicht befahren werden: Sie sind halt Landwirtschaft und man sollte vorsichtig fahren, auf den breiteren Wegen bleiben und halt nicht die Reben beschädigen. Und wenn dieser ganz spezifische süßliche Geruch in der Luft hängt, dann spritzen die Winzer gerade und man sollte nicht gerade Sport in der Giftwolke machen.




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