Victor Janukowitsch war Präsident der Ukraine bis er Anfang 2014 vom Euromaidan aus dem Amt gejagt wurde und aus dem Land floh. Auslöser der Maidan-Proteste war auch die grassierende Korruption im Land. Zum Symbol wurde die ehemalige Staatsresidenz Meschyhirja [1] ein paar Kilometer außerhalb von Kiew, die von Janukowitsch über undurchsichtige Kanäle privatisiert und luxuriös umgebaut wurde.

Nachdem Janukowitsch geflohen war, stürmten Demonstranten das Gelände und besetzten es. Es wurde aber nicht umfassend geplündert, sondern blieb erhalten. Die Bilder des luxuriösen Anwesens gingen um die Welt und sorgten zusätzlich dafür, das Janukowitsch-Regime zu diskreditieren. Die Bilder des goldenen Brotes und der Toiletten gingen um die Welt. Gerade die Kombination aus verschwenderischem Luxus, sündhaft teurer Einrichtung und unglaublich schlechtem Geschmack erregte Aufmerksamkeit.

Im Anschluss wurde das Anwesen zu einem Museum. Damit ist es das einzige kontemporäre Milliardärsanwesen, das der Öffentlichkeit zugänglich ist. Andere Oligarchen, andere Milliardäre besitzen ebenfalls entsprechende Paläste, die im Zweifelsfall auch noch größer ausfallen. Nur kommt man dort nicht herein und selbst Bilder aus dem Inneren sind selten. Daher ist Janukowitschs Palast ein seltener und lohnenswerter Einblick in das Leben der Superreichen.

Diese Fotos entstanden während eines Besuchs im Herbst 2015. Die Residenz ist von Kiew mittelgut zu erreichen - man muss zur Endstation der Metro fahren und dann mit Händen, Füßen und fehlenden Ukrainisch-Kenntnissen ein Taxi organisieren.


Der Park ist nicht nur sehr groß, sondern auch durchaus idyllisch


Plastikpferde sind nicht nur eine Geschmacksverirrung in der "Stadt der Pferde" Warendorf, sondern auch in der Ukraine


Das Haupthaus. Man beachte die rot-schwarze Flagge der ukrainischen, revolutionären Rechten


Es gibt nachgebaute antike Ruinen


Frontansicht des Haupthauses


Teich und Haus


Das Gelände fällt steil in Richtung Dnepr ab. Aber auch hier gibt es sündhaft teure, kunstvoll verzierte Brücken, die eigentlich völlig überflüssig sind


Warum auch nicht einfach mal ein offenes Gebäude mit Säulen bauen?


Da das Haupthaus eindeutig zu klein ist, gibt es auch mehrere Nebengebäude. Hier eins am künstlichen Teich


Im Inneren lässt es sich sicherlich sehr gut leben



Man beachte den gigantischen Sicherheitszaun, der das Gelände komplett umgibt.




Blick auf den Dnepr


Die "Beutestücke" der Revolution und darunter ist sicherlich eines der absurdesten Dinge, die Janukowitsch hortete: Ein Brot aus Gold.


Wir starten die Tour in einem Nebengebäude. Das Hauptgebäude wäre auch einfach zu klein, es ist selbstverständlich, dass man ein Nebengebäude benötigt


Wer hat nicht Gemälde von sich selbst beim Rally-Fahren in der Wohnung hängen? Also ich habe zwei in meiner Bude


Ein Indoor-Tennis-Court


Wirklich tragisch: Vögel sitzen in Käfigen und wirken schlecht versorgt.



Das ganze Haus ist voll mit solchen Erinnerungsstücken



Der Guide spricht natürlich nur Ukrainisch und wir haben keine Ahnung, was er alles erzählt. Er erzählt aber viel-.


Ein Massageraum


Ein zweiter Massageraum, weil einer ja eindeutig zu wenig ist


Die Einrichtung ist sündhaft teuer und gleichzeitig unglaublich furchtbar


Erwähnte ich, dass die Einrichtung unglaublich furchtbar ist?


Sprach ich schon von der furchtbaren Einrichtung?


Eine Salzgrotte. Weil man sowas halt braucht.


Der Fitness"raum" mit eigenem Boxring und so ziemlich allem, was es an teuren Sportgeräten gibt. Damit könnte man auch ein ganzes Fitnessstudio ausstatten


Und jeder Bösewicht braucht einen: Ein unterirdischer Tunnel, der das Nebengebäude mit dem Haupthaus verbindet.


Wir kommen ins Haupthaus. Die Einrichtung bleibt furchtbar



Man darf spekulieren, was alleine dieser Parkettfußboden gekostet hat



Ja, das ist eine ausgestopfte Katze auf dem Klavier!




Auch die Ritterrüstung hat nicht verhindern können, dass das Gelände von Revolutionären gestürmt wurde.




Das ist ein Indoor-Kamin mit Absaugung nach oben





Habe ich schon vom furchtbaren Einrichtungsgeschmack des Hausherren gesprochen?


Der berühmte Fernsehraum. Sehr teuer, wirkt aber irgendwie herzlich unbequem.


Das Bedienungs-Panel der Stühle



Die Kombination aus gigantischem Kronleuchter und Blockhaus-Ästhetik ist... gewagt


Und wer wagt, kann auch kräftig daneben liegen

]


Es ist kaum vorstellbar, was die Holzvertäfelung an dieser Wand gekostet haben mag



Im Bild: Gleich 5 Kronleuchter. Der Raum hat natürlich noch weitere, weil alles andere wäre ja ein Zeichen von Armut!


Blick aus dem Fenster. Eindeutig der Bahnstrecke und dem Parkplatz vorzuziehen, die ich aus meinem Fenster sehe


Der demütige, gläubige Christ von Welt hat natürlich eine Privatkapelle. Mit Gold. Weil Jesus das so wollte


Wieder ein unglaublich prachtvoller Vogelkäfig mit vernachlässigten Vögeln



Der Fußboden ist einfach irrsinnig. Höchstwahrscheinlich kriegt man für den Preis weniger Quadratmeter eine Eigentumswohnung in der Münchener Innenstadt


Es ist fast tragisch: Nach der Stürmung des Anwesens gingen diverse Bilder angeblicher Toiletten aus Gold und im ägyptischen Stil um die Welt. Die Wahrheit ist etwas weniger golden, nur die Drücker sind golden (aber nur in goldener Farbe).


Keine Ahnung, wie man beim Baden dort Fernsehen soll ohne sich den Hals zu verrenken, aber vielleicht haben wir auch endlich herausgefunden, warum Janukowitsch im Nebengebäude gleich mehrere Massageräume besaß



In meiner Studentenbude gab es Schimmel an der Duschwand und kein Moasik. Punkt für Janukowitsch


Man beachte die Decke


Das Schlafzimmer. Bzw. eins von zwei Schlafzimmern.


Der Obermotz in seinem Superhaus hat nur 34 Fernsehkanäle. Was für ein Verlierer! Der kann ja gar nicht den Kanal Telemedial empfangen!


Morgens aus dem Schlafzimmer zu diesem Blick auf den Balkon zu treten, muss schon sehr, sehr nett sein



Und eines kann man Janukowitsch jetzt nicht vorwerfen: Maßlose Verschwendung. Er benutzt immerhin Energiesparlampen!









Das zweite Schlafzimmer. Das ist wichtig, falls ein Partner schnarcht





Ein zweites Badezimmer.



Wer seine Putzfrau hasst, kauft einen derartigen Wasserhahn. Der muss unmöglich zu säubern sein



Benutzt du etwa die Pappbox vom dm für deine Taschentücher?




Das Wohnzimmer in seiner vollen Scheußlichkeit






Die Küche. Bzw. nur ein kleiner Raum zum Warmhalten der Speisen, denn die richtige Küche ist woanders


Da baut man aber natürlich trotzdem den Miele-Herd ein



Wieder einmal: Das Parkett ist der Wahnsinn


Ein dezenter Billiardtisch


Eine Musiktruhe mit Musikzylindern



Keine Ahnung, wie man auf diesen Stühlen sitzen kann



Das Telefon im Büro des Präsidenten ist erstaunlicherweise ohne viel Hightech, ohne Touchscreen und mit einem ranzigen Billigdisplay versehen. Beim Thema Technik weiß der Victor leider nicht so ganz zu protzen


Die Standuhr im Büro stammt vom niederländischen Uhrmacher Otto van Meurs (1747-1783) [1]. Das Auktionshaus Sotheby's hat eine weniger aufwändige Standuhr von Meurs im Sortiment und dort wird sie auf 6000-9000 US-Dollar geschätzt [2]


Wer keinen richtigen Doktortitel hat, präsentiert halt einfach stolz seinen Ehrendoktor


Ich am Schreibtisch


Das Telefon ist leider tot und ich kann nicht direkt Vladimir Putin anrufen


Eure Besenkammer hat keine Kronleuchter? Ihr Plebejer!


Hier endet die Tour durch das Haus und wir erkunden das Anwesen weiter. Zuerst geht es zum "Bauernhof", denn in einem Land, in dem durchaus mal hochrangige Politiker vergiftet werden, will man sich möglichst selbst versorgen. Janukowitsch hielt sich einen ganzen Zoo an Tieren, von Schafen über Kühe, Antilopen, Hühner, Wildschweine, Hirsche und so weiter.










Am Ufer des Dnjepr gibt es eine Bogenschießanlage


Die auch direkt von den Aufständischen benutzt wurde



Direkt am Ufer. Irgendwie nicht sehr hübsch


Die berühmte und berüchtigte Galleone



Der Anker ist... aus Plastik.


Auf Fotos ist es nur schwer zu erkennen wie riesig das Gelände ist. Das gesamte Gelände ist 137 Hektar groß und man kann es problemlos einen ganzen Tag durchstreifen. Zu empfehlen ist dabei eine Karte auf dem Handy zu haben, denn die Ausschilderung ist mangelhaft.



Wer ein richtiger Präsident ist, hat natürlich auch einen eigenen Hangar für das eigene Fluggerät.


Dieses Gebäude beherbergt die Autosammlung Janukowitschs. Leider war es während unseres Besuches nicht geöffnet.


Und zum Schluss geht es über den privaten Golfplatz. Denn mal ehrlich: Es ist zwar etwas teurer, aber sein Hobby kann einem schon was wert sein, oder? Und es wäre ja auch völlig unangebracht, seinen Golfplatz mit anderen armen Schluckern zu teilen.




Backlinks: Fotografie