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Die dunklen Seiten der frühen BRD

Aus Schmalenstroer/wiki

Diese Seite ist eine Nestbeschmutzung übelster Art, die natürlich auch etwas unfair ist. Aber wenn "die gute alte Zeit" der 1950er zunehmend glorifiziert wird oder gar als Blaupause für heutige Politik dienen soll, ist es dringend angebracht, einmal aufzulisten, wie unliberal, autoritär, spießig und anders die BRD der 1950er Jahre war. Hinter der Fassade von Wirtschaftswunder, Urlaubsfahrten mit dem Käfer nach Italien und Traum vom Eigenheim versteckt sich eine Gesellschaft, die nicht nur vom Krieg schwer traumatisiert war, sondern die auch weiterhin die schwächeren der Gesellschaft und die Abweichler terrorisiert hat. Sie hat sie nicht mehr umgebracht, aber sie hat sie in einem heute unvorstellbarem Maß gequält und misshandelt.

Hier sammel ich dieses, um einen geballten Kontrast zur "guten alten Zeit" und zum "früher war alles besser" zu liefern.

Die Links gehen größtenteils zur Wikipedia, es lohnt sich aber, selbst weiter zu recherchieren.

WORK in PROGRESS!
  • Es war bis 1973 legal für Lehrer, ihre Schüler zu schlagen. Dies wurde - je nach Lehrer und Schule - auch bei kleinsten Vergehen gemacht.[1]
  • Eltern durften Ihre Kinder straflos schlagen und taten dies auch ausgiebig. [2]
  • Vergewaltigung in der Ehe war straflos - abgeschafft wurde dies erst im Jahre 1997 gegen den erbitterten Widerstand von Erika Steinbach und größerer Teile der CDU/CSU [3]
  • Mit dem Kuppeleiparagraph wurde es verboten, nicht verheirateten Paaren Wohnungen oder Hotelzimmer zu vermieten, denn diese könnten ja unmoralische Dinge treiben. [4]
  • Waisenkinder in Kinderheimen wurden schrecklich missbraucht und gequält. Sie mussten Zwangsarbeit leisten, wurden geschlagen, waren psychischer Folter unterworfen und ausgebeutet. Die Betroffenen kämpfen immer noch mit den Spätfolgen. [5]
  • Nicht nur das: Heimkinder wurden für Medikamententests missbraucht mit z.T. heftigen gesundheitlichen Spätfolgen. Die Betroffenen kämpfen noch heute um Entschädigung. [6][7]
  • Verfolgung von Homosexuellen durch die gleichen Polizisten, die das im NS schon gemacht haben
  • Diverse Bundesländer führten sogenannte "Landfahrerkarteien" - eine direkte Weiterführung der Verfolgung der Sinti & Roma während des Nationalsozialismus, welche sogar teilweise von den gleichen Personen im Polizeiapparat betrieben wurde. 1951 wurde in Bayern sogar ein Gesetzesentwurf eingereicht, welcher das "Zigeunserunwesen" bekämpfen und ihnen die Sozialhilfe streifen soll [8]
  • Ehemänner durften die Arbeitsstelle ihrer Frauen kündigen - selbst wenn diese damit nicht einverstanden waren. Bis 1976 durften Frauen nur dann berufstätig sein, wenn "dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar war" [9]
  • Es galt bis 1957 der "Gehorsamsparagraph" im BGB: "Dem Manne steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu; er bestimmt insbesondere Wohnort und Wohnung." [10]
  • Die rechtsextreme SRP, die sich personell, ästhetisch und programmatisch an die NSDAP anlehnte und die "Notwendigkeit einer Lösung der Judenfrage, allerdings mit anderen Mitteln" forderte, erzielte beträchtliche Wahlerfolge. Bei der Landtagswahl in Niedersachsen 1951 erreichte sie 11%, 1951 in Bremen 7,7%. In einigen Dörfern schaffte sie bis 27%. 1952 wurde die Partei wegen Verfassungswidrigkeit verboten [11]
  • Lehrerinnen durften nicht verheiratet sein. Mit dem Lehrerinnenzölibat mussten Lehrerinnen mit der Hochzeit aus dem Dienst ausscheiden. Abgeschafft 1957 [12]
  • Die Bundeswehr versuchte sich - entgegen internationaler Abkommen und offizieller Beteuerungen der Regierung - Chemiewaffen zu beschaffen [13]
  • Der Postverkehr wurde - gerade im Hinblick zu Sendungen aus der DDR - in einer riesigen Massenaktion überwacht und entsprechende Briefe zensiert [14]
  • Bundeskanzler Adenauer plante die Einführung eines direkt der Bundesregierung unterstellten Staatsfernsehens, weil ihm der öffentlich-rechtliche zu kritisch berichtete. Das wurde erst vom Verfassungsgericht unterbunden.[15]
  • Die deutsche Industrie wollte dem Bundeskanzler aus Dank eine Luxusvilla bauen. Der Bau war bereits im Gange als der Vorgang öffentlich wurde und Adenauer sie ablehnen musste [16]
  • Es gab einen Etatposten im Bundeshaushalt, mit denen Familien von Naziverbrechern, die wegen Massenmorden in Italien verurteilt wurden und im Gefängnis saßen, der Besuch und die Fluchthilfe bezahlt wurden. Sogar Bundeskanzler Schmidt setzte sich bei der italienischen Regierung für eine Freilassung ein [17]
  • Richter, die bereits im Nationalsozialismus Richter waren, sprachen reihenweise Nazis frei oder verurteilten sie extrem sanft [18] [19]
  • Anders sah dies aus, wenn es um Kommunisten ging: Hier konnten selbst kleine Delikte zu heftigen Strafen führen. [20]
  • Schwangerschaftsabbrüche waren (und sind) verboten, medizinische Unterstützung gab es für Frauen nicht. Dafür wurden uneheliche Kinder und ihre Mütter gesellschaftlich geächtet.
  • In Niedersachsen waren 1948 bis zu 80% der Richter und Staatsanwälte einstige Mitglieder der NSDAP. 1945 waren es nur 65% [21]
  • Nicht nur Heimkinder wurden missbraucht, geschlagen und gequält, sondern auch Kinder, die in Ferienheime geschickt wurden. Den Eltern war es anscheinend egal [22] [23]
  • Heimkinder wurden auch für Medikamententests missbraucht [24]
  • Bis in die 90er Jahre konnte lesbischen Müttern das Sorgerecht entzogen werden [25]
  • Bundesjustizminister Hans-Joachim von Merkatz verbot es 1957 dem für Anfragen zur NS-Justiz zuständigen Beamten Ernst Kanter die bloße Nachfrage, ob die Landesjustizverwaltungen den von der DDR im Braunbuch erhobenen Vorwürfen zu NS-Unrechtsurteilen gegen führende BRD-Juristen nachgehen würden [26]
  • "Die bundesdeutschen Gerichte klagten NS-Verbrecher weiter kaum an, sprachen die übrigen meist frei, verharmlosten ihre Taten als Beihilfe, rechtfertigten schlimmstes Unrecht durch formale Legalität und deuteten das NS-Regime damit jahrzehntelang in einen Rechtsstaat um. Im Ergebnis wurden bis 1998 nur 6494 von hunderttausenden NS-Verbrechern bestraft; gegen weit mehr als 150.000 Mörder der NS-Zeit wurde nie ermittelt." [27]
  • "Bundes- und Landespolitiker aller Parteien betrachteten die Ausstellung "Ungesühnte Nazijustiz" als Tabubruch und bekämpften sie heftig. Sie wiesen die Vorwürfe gegen die Richter ungeprüft zurück, behaupteten, das Material sei gefälscht und die Studenten betrieben DDR-Propaganda.[39] Sie sahen die Übernahme und Veröffentlichung von Dokumenten aus Ostberlin, selbst bloßen Fotokopien, als schweren Normverstoß. Die Bundesregierung ließ die Ausstellungsmacher vom Verfassungsschutz überwachen, der ihre Freunde und Verwandte nach ihrem Privatleben und ihrer finanziellen Lage befragte. Baden-Württembergs Landesjustizminister Wolfgang Haußmann unterstellte den Veranstaltern Landesverrat.[40] Die meisten Medien kommentierten ähnlich. Die konservative Zeitung Badische Neueste Nachrichten zum Beispiel bezeichnete sie als "Handlanger der Machthaber von Pankow".[41] Strecker und seine Familie erhielten viele anonyme Drohungen, in Streckers Wohnung wurde eingebrochen [28]
  • Kindererholungsheime wurden von SS-Mitgliedern und verurteilten Kriegsverbrechern geleitet, welche dort Kinder quälten und sie unter Medikamente setzten [29] [30]