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Ergonomie für Historiker

Aus Schmalenstroer/wiki

Mehrere Bildschirme

Als Historiker hat man häufig mehrere Programme gleichzeitig nebeneinander auf. Die Textverarbeitung und eine Quelle als PDF. Die Literaturdatenbank und einen Bibliothekskatalog. Ein Foto einer Archivalie und ein Transkriptionsprogramm.

Im schlimmsten Fall wechselt man ständig zwischen den beiden Programmfenstern hin und her. Wenn man sich einen zweiten Bildschirm oder einen dieser neuen, schicken Breitbildmonitore auf den Schreibtisch stellt, kann man mehrere Fenster bequem nebeneinander platzieren und spart sich die elende Klickerei.

Praktisch jeder Rechner und jeder Laptop unterstützen den Anschluss eines weiteren Monitors und die Kosten sind überschaubar: Je nach Größe und gewünschtem Modell liegt man zwischen 100 und 170€. Größere Geräte oder Breitbild-Geräte, die quasi die Breite mehrerer Monitore in sich vereinen, sind teurer, aber durchaus ihr Geld wert.

Tipp: Mit der Tastenkombination Windows-Taste + Pfeiltasten kann man schnell Fenster über mehrere Monitore verschieben und anpassen.

Bildschirmeinstellungen

Bildschirme sind hell und gerade im Dunkeln erstaunlich grell. Kaum einer setzt sich hin und schaut 8 Stunden am Stück in eine Glühbirne, aber am PC ist das Standard. Hier kann man mit ein paar Einstellungen am Monitor einiges erreichen: Die Helligkeit lässt sich bei allen Modellen heruntersetzen, was die Augen schont und für die meisten Einsatzzwecke auch völlig ausreichend ist. Ansonsten ist es sinnvoll, schon bei den ersten Belastungsreaktionen der Augen gegenzusteuern: Wer nach langem Arbeiten am Bildschirm trockene oder tränende Augen hat oder sonstige Probleme, sollte sich seinen Bildschirm genauer anschauen.

Eine andere Geschichte ist blaues Licht: Dieses macht wach und so kann langes Arbeiten am Abend zu Schlafproblemen führen. Programme wie f.lux verändern je nach Tageszeit die Farbtemperatur des Bildschirmes, was gerade bei nächtlichen Sessions deutlich angenehmer und augenschonender ist.

Tastatur / Maus

Tastatur und Maus sind die Verbindung zum wichtigsten Arbeitsgerät, dem Computer. Ein Handwerker akzeptiert auch keine minderwertige Bohrmaschine aus dem Sonderangebot im Discounter, sondern besteht auf Profi-Werkzeug. Genauso sollte man es auch als Bildschirmarbeiter halten: Wer ganze Bücher in den Computer tippt, sollte sich eine ordentliche Tastatur besorgen. Hier gibt es eine breite Auswahl an ergonomischen Tastaturen, welche deutlich schonender sind als normale Tastaturen. Sehnenscheidenentzündungen sind schmerzhaft und eine der Berufskrankheiten von Bildschirmarbeitern - sie sind aber gleichzeitig zu verhindern!

Aber Achtung: Nicht alles, was sich ergonomisch nennt oder schick aussieht, ist auch wirklich ergonomisch. Hier lohnt es sich, sich vor dem Kauf zu informieren, was wirklich etwas taugt.

Schreibtischhöhe

Wenn der Schreibtisch auf die falsche Höhe eingestellt ist, sitzt man krumm und unnatürlich. Entweder man beugt den Rücken, um sich an einen zu niedrigen Tisch anzupassen oder man streckt sich, um gerade noch mit dem Kinn an die Tischplatte zu gelangen. Das geht eine Weile gut, wenn man aber 8 Stunden oder länger pro Tag am Schreibtisch sitzt, macht sich das irgendwann bemerkbar. Vielleicht nicht nach 2 Wochen oder 2 Monaten, aber nach 2 Jahren oder 20 Jahren.

Hier gibt es Informationen zur perfekten Einstellung der Schreibtischhöhe. Die meisten Schreibtische sind höhenverstellbar und wenn nicht, kann man sie mit simplen Holzklötzen erhöhen.

Und nein, das Bett oder das Sofa mit Laptop sind kein Schreibtisch.

Stuhl

Was für den Schreibtisch gilt, gilt natürlicha auch für den Stuhl. Man sitzt stundenlang in seinem Schreibtischstuhl und daher ist es nicht verkehrt, wenn man hier in ein ordentliches Modell investiert. Wichtig ist, dass der Stuhl Höhenverstellbar ist, eine verstellbare Sitzlehne besitzt und drehbar ist.

Tipp: Wer nicht so viel Geld ausgeben kann, sollte sich nach gebrauchten Stühlen aus Firmen umsehen. Hierfür gibt es einige Anbieter, die Material aus Insolvenzen, Umzügen etc. verwerten.

Blickrichtung

Nicht nur die Höhe des Bildschirms ist entscheidend, sondern auch der Winkel zwischen Augen und Bildschirm. Klingt blöd, aber was hilft die perfekt eingestellte Schreibtischhöhe, wenn man ständig den Kopf in den Nacken kippen muss, weil der Bildschirm zu hoch ist?

Nach ergonomischen Kriterien sollte ein Bildschirm folgendermaßen eingestellt sein:

Blenden

Man kennt es: Die Sonne scheint von hinten auf den Bildschirm, es spiegelt, es blendet und man erkennt nichts. Ein Bildschirmarbeitsplatz sollte so eingerichtet sein, dass die Sonne nicht von hinten direkt auf den Bildschirm fällt und auch nicht so, dass die Sonne dem Nutzer direkt von vorne ins Gesicht blendet. Monitore sollten idealerweise quer zu Fenstern stehen.

Falls das nicht möglich ist, bietet sich die Anschaffung von Sonnenblenden an.

Passende Software

Auch Software kann unergonomisch sein - unnötige Klicks, gruselige Interfaces, schlechte Bedienbarkeit, die Liste nerviger Eigenschaften ist groß. Da man hier selten viel anpassen kann, ist die einzige Variante, die hilft, nervige Software zu entsorgen und sich nach benutzerfreundlichen Alternativen umzusehen.

Laptops

Eigentlich ergibt es sich schon aus den vorigen Punkten: Laptops sind sehr unergonomische Arbeitsgeräte, die viele Kompromisse eingehen, um mobiles Arbeiten zu ermöglichen. Die Haltung der Hand auf dem Touchpad ist verdreht, die Tastaturen zu gedrängt und der Blickwinkel auf den Monitor ist auch sehr ungünstig. Für mobiles Arbeiten ist das ein Kompromiss, den man eingehen kann, zuhause sollte man aber nicht exklusiv mit dem Laptop als einziges Arbeitsgerät arbeiten. Als Arbeitsgeräte in Firmen sind Laptops (ohne Dockingstation) sogar verboten.

Aber auch an einen Laptop kann man externe Peripheriegeräte anschließen. Mit einer externen Tastatur, Maus und einem Bildschirm hat man mit ein wenig Aufwand und Kosten einen vollständigen PC, der deutlich ergonomischer und angenehmer zu bedienen ist.

Bibliotheken

Aus den obigen Ausführungen ergibt es sich fast zwangsläufig, dass Bibliotheken keine wirklich ergonomischen Arbeitsplätze sind. Die Tischen sind selten höhenverstellbar. Die Stühle sind nicht ergonomisch, sondern häufig noch nicht mals gepolstert. Man kann nur am Laptop arbeiten. Sie sind laut. Der Bibliotheksbesuch ist jetzt nur schwer zu vermeiden, aber: Man sollte dort sicherlich nicht permanent arbeiten, sondern sich nach Möglichkeit einen eigenen, ergonomischeren Arbeitsplatz schaffen.

Staub / Schimmel

Staub und Schimmel sind ungesund. Ständige Belastung mit Staub kann zu einer Stauballergie führen, die dann jeden Kontakt mit Staub unangenehm macht, was besonders unangenehm ist, weil Staub überall ist. Schimmel kann noch schlimmere Gesundheitsfolgen haben. Auch wenn sich Archivare mit Händen und Klauen gegen das Image des "staubigen Archivs" wehren: Wer häufig mit alten Büchern oder Akten arbeitet, ist Staub und Schimmel ausgesetzt. Hier gibt es eine Handreichung zum Thema, die auch für Historiker interessant ist, die entsprechenden Belastungen ausgesetzt sind.

Ausgleich zum Sitzen

Geschichtswissenschaft ist eine sitzende Tätigkeit. Während der Archäologe wenigstens ab und an mit dem Spaten ins Feld zieht, sitzt der Historiker den ganzen Tag rum und [klischee] liest oder schreibt Bücher [/klischee]. Langes Sitzen ist aber ungesund und wenn man dann dazu noch die Packung Gummibärchen auf dem Schreibtisch stehen hat, kommen die Pfunde quasi von alleine. Es ist sehr sinnvoll, sich einen sportlichen Ausgleich zur sitzenden Tätigkeit zu schaffen und vllt. mal mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, Sport zu treiben oder am Wochenende regelmäßig aktiv zu sein und nicht den ganzen Tag auf Netflix Serien zu schauen. Auch wenn es schwer fällt.

Eine andere Alternative sind Stehschreibtische, deren Tischplatte sich in der Höhe verstellen lässt, so dass man auch im Stehen arbeiten kann. Das ist nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sehr nett und hilft auch. Entsprechende Schreibtische sind aber teurer, sicherlich nichts für Studierende und im Zweifelsfall hat eine Universität dafür auch keinen Posten im Budget.